Glosse zum Verfall der deutschen Sprache

Zum Verfall der deutschen Language ...pardon....Sprache

Seit geraumer Zeit ist die, vom CDU– Politiker Wolfgang Bosbach zum „höchsten Kulturgut unserer Nation“ ernannte fabelhafte deutsche Sprache von einem angeblich unaufhaltsamen Verfall bedroht! Mitunter dringen frevelhafte englische Begrifflichkeiten in sie ein und verhunzen nach und nach die edlen Ausdrucksweisen unsere Dichter und Denker.
Als wäre diese ohnehin schon beklagenswerte Situation nicht hanebüchen genug, sind die Querulanten, verantwortlich für die Verwahrlosung unserer Sprachkompetenzen, nicht einmal in der Lage ihren gewieften Schabernack richtig zu treiben.

Mit der Absicht fesche, griffige Werbesprüche zu entwickeln, die auch der rammdösigste Deutsche im letzten Hinterwäldle versteht, übersetzten sie flugs Deutsche Mundarten ins schnieke Englisch und betrieben dabei groben Unfug.
So bedeutet der Aufhänger einer duften Kosmetikkette wörtlich übersetzt: „ Komm herein und finde wieder hinaus“ und nicht wie von den neunmalklugenen Banausen beabsichtigt „Komm herein und finderheraus was es hier drinnen Schönes zu entdecken gibt“. Nun zugegeben, die Deutsche Variante ist fürwahr exorbitant zu lang und indes kaum so knorke wie die famose englische Version „Come in and find out.“

Auch so genannte Pseudo –Anglizismen erdreisten sich von Zeit zu Zeit unseren alltäglich gebräuchlichen Wortschatz zu verunzieren. Demnach befällt annähernd jeden Knaben enormes Unbehagen, wenn er die holde elterliche Unterkunft ohne sein hoch modernes „Handy“ oder die jüngst errungene „Body Bag“ verlässt. Auch ein Unfall mit Vatis „Oldtimer“ ist jedem ein Greul.

Dass nun das „Handy“ im Englischen gerade mal den Status eines ungebräuchlichen Adjektivs besitzt und der „Oldtimer“ als solcher nicht existiert, sondern allgemein als „Vintage car“ bezeichnet wird, ahnt unser Schelm nicht im Geringsten.
Noch fataler ist nur die Fehlübersetzung – oder ist es einfach nur eine Fehlinterpretation? , der „Body Bag“! Adäquat ins Deutsche übertragen ist hiermit nämlich eine Frischhaltetüte für sterbliche Überreste gemeint, also ein Leichensack!

Indes ist das Ende der Wipfel im Anglizismen Wald noch lange nicht erreicht. So bestreitet Vera aus der „Marketing“ Abteilung das morgendliche „Meeting“ stets mit einem „Coffee to go“ in der Hand. Um anschließend, nach dem „Brunch“ mit ihrer besten Freundin Mona, die im Übrigen der totale „Eye-catcher“ ist was nicht zuletzt daran liegen könnte, dass sie ursprünglich eine Ausbildung als „Make – up artist“ absolviert hat, nach Hause zu „joggen“, wo dann fleißig im Internet „gedownloadet“ oder einmach mal wieder „gechillt“ wird.
Bei soviel Sprachverfälschung, ist es durchaus nachvollziehbar dass sich manch einer auch im „Real Life“ die „Escape –Taste“ sehnlichst herbei wünscht.

Doch müssen wir auf Grund dieses Fehlens an „Sensibilität“ (Tarek Al – Wazir von den Grünen) tatsächlich befürchten, dass unsere Sprache in geraumer Zeit nur noch als Konglomerat aus jugendlichem Neudeutsch und Englisch besteht, all seiner dichterischen Schönheit beraubt und literarisch und künstlerisch unwiderruflich verkrüppelt`?!
Nein, denn Sprache verändert sich für Gewöhnlich, sie entwickelt sich weiter. Begriffe werden ungebräuchlich und andere wiederrum kommen in Mode. Das ist nur normal.
Wie Sie beim Lesen des ersten Absatzes bemerkt haben dürften, empfindet man die Benutzung von längst ausgestorbenen Wörtern wie „knorke“, „rammdösig“, „Schabernack“ und „Halunke“ als durchaus merkwürdig. Ebenso wird es der nächsten Generation mit Wörtern wie „cool“, „fett“ oder „krass“ ergehen!

Diese Tatsache hat meiner Meinung nach allerdings kaum Einfluss auf unsere eigentliche Sprache. Denn diese ist stärker und älter als jegliche Gesetze oder Rechtschreibreformen und wird ungeachtet emsiger Anglizismen – Benutzer auch weiterhin bestehen.
Und sowieso, jetzt da der liebe Guido unser entzückendes Land vertritt, müssen wir uns um das Verkommen des Deutschen nicht mehr die geringsten Sorgen machen, denn dieser spricht auch mit der britischen Presse ausschließlich Deutsch, schließlich „ist es Deutschland hier“.

1.10.09 14:31

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


user111 (2.4.14 21:49)
Sehr gute Glosse. Ich habe sie im Deutschunterricht Gymnasium 10. Klasse behandelt und werte sie als ein Musterbeispiel mit schlagkräftigen Argumenten die dem Leser ein "feeling" dafür geben, dass wir auf unsere Sprachkultur mal ein genaueres Auge werfen sollten.


(27.9.16 18:29)
ggg

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